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Neues Bürohaus für die Stadtwerke Landsberg KU
innerhalb denkmalgeschützter Ziegelmauern, Revitalisierung einer ehemaligen Wagenremise des Spitalgutes.
Ausgewählt für die Architektouren 2012.
Fast jedermann in Landsberg kennt dieses Gebäude, kaum jemand nahm es bisher bewusst wahr; man fährt vorbei auf dem Weg in die alte Bergstraße; etwas zurückgesetzt und unauffällig stand es da, zuletzt genutzt durch den städtischen Bauhof.
Als Remise für Ochsen- und Pferdefuhrwerke wurde es 1876 für das Spitalgut errichtet.
1937 brannte das Spitalgut fast vollständig ab; nur das Sichtmauerwerk dieses Nordflügels konnte erhalten werden.
Als 1978 das Spitalgut nach Pössing übersiedelte, wurden Städtischer Bauhof und Städtische Werke hier untergebracht; das Wohnhaus des Spitalguts wurde ersetzt durch den damaligen Neubau des Bürohauses der städtischen Werke.
Die ersten Voruntersuchungen und Entwürfe zeigten einerseits, dass das Raumprogramm nur in einer zweigeschoßigen Bauweise unterzu-bringen ist und andererseits, dass sich auf Grund der unterschiedlichen Nutzungen eine Dreigliederung anbietet, die den 50 m langen Baukörper unterteilt.
Im vorderen Bereich, an der Epfenhauser Straße, die Räume mit Publikumsverkehr, also Kundenzentrum, Saal, und der Haupteingang mit überdachtem Übergang zum bestehenden Verwaltungsgebäude,
im mittleren Bereich, auf zwei Geschoßen, Büro- und Besprechungsräume,
im östlichen Bereich, Elektrolager und Werkstatt.
Ganz klar zeigten sich die Konflikte, die durch die neue Nutzung einfach da waren: zu wenig Licht / Fenster und zu große Geschoßhöhen.
Von Anfang an war uns allen Beteiligten, also Bauherr und Architekten, klar, dass wir das massive, bis zu 70 cm dicke Sichtmauerwerk erhalten wollen und dass es auch im Inneren gezeigt werden soll.
Zwingend war für uns auch die Vorgabe, die Hausform und die Dachform zu erhalten bzw. wieder aufzunehmen, um auch weiterhin den Rechteckhof mit den ehemaligen Gebäuden des Spitalgutes ablesbar zu belassen.
Das für Aufenthaltsräume und für Arbeitsstätten notwendige Licht holten wir auf mehrfache Art ins Haus:
durch die Anordnung und Organisation der Räume:
die großen hinter die Torbögen,
- durch die Verglasung der Kniestöcke im mittleren Bereich,
- durch die Glasdächer im vorderen Bereich,
- durch die Vergrößerung der Maueröffnungen auf der Nordseite;
Die Holzbalkendecke und der Dachstuhl (Baujahr 1936) konnten im Lagerbereich erhalten werden und sichtbar bleiben; allerdings waren umfangreiche Maßnahmen zur Stabilisierung notwendig; hier kann man auch weiterhin die Geschichte des Gebäudes ablesen.
Im vorderen Bereich wurden Kundenzentrum und Saal als verglaster Kubus in die bestehende Gebäudehülle hineingesetzt.
In der Mitte sind die Büro- und Besprechungsräume; hier konnten die Holzbalkendecke und der Dachstuhl nicht erhalten werden; dieser gemauerte Kern schafft mit seinen Stahlbetondecken die notwendige Stabilität für Altes und Neues.
In unmittelbarer Nähe (100m Luftlinie) betreiben die Stadtwerke ein Hackschnitzelkraftwerk, das die umgebenden Institutionen mit Nahwärme versorgt; das sind: Berufschulzentrum, Fachoberschule, Agrarbildungszentrum, Stadtwerke, Bauhof, Altenheim im Spital;
Die Südseite des erneuerten Satteldaches ist mit einer Photovoltaik-anlage belegt; somit konnte ab Februar 2011 (nach Rohbaufertigstellung) der selbst erzeugte Baustrom verwendet werden.
Die von uns berechneten Baukosten konnten eingehalten werden; höchstwahrscheinlich werden sie sogar unterschritten. Die Mehrkosten für das Bauen im Bestand halten sich in erträglichen Grenzen:
50.000 für Abbruch und Altlasten,
50.000 für Sanierung und Stabilisierung des Sichtmauerwerks,
50.000 für die Erhaltung des Dachstuhls und der Balkendecke.
Johann Müller-Hahl
im Bureau für Architektur
29. Sept. 2011
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